Was machen die Prozessbegleiter/innen (Facilitators)?
Als Prozessbegleiter/innen treten wir bewusst zurück und nehmen auf das Geschehen keinen direkten Einfluss, denn es geht beim Prozess darum, dass alle Mitglieder einer Gruppe selbst Leiterschaft innerhalb der Gruppe entwickeln, jede/r ist verantwortlich für den Prozess – so wie auch jede/r auf seine ganz individuelle Weise die Gemeinschaftserfahrung zunächst verhindert! Das gilt es zu erleben, zu begreifen und schließlich – daran zu scheitern. Nur so, durch dieses von den Begleiter/inne/n nicht kontrollierte Verhalten der Gruppenmitglieder, entsteht nach und nach die Bereitschaft damit aufzuhören und nach einem anderen Umgang zu suchen.
Dieser – immer unvorhersehbare - Prozess lässt sich von den Begleiter/inne/n nicht kontrollieren, organisieren oder manipulieren. Sowieso bringen wir dort, wo wir uns "einmischen", immer unsere persönliche Einschätzung ein und beeinflussen damit das Geschehen.
Zu Beginn des Prozesses stellen die Begleiter/innen die Empfehlungen vor.
Danach ist "der Raum offen", d. h. der Prozess kann beginnen – häufig mit Schweigen. Was auch immer geschieht, wir beobachten und unterstützen den Gruppenprozess am ehesten durch unsere Präsenz und Zeugenschaft.
Wir begleiten einen Prozess immer (mindestens) zu zweit, um unsere Beobachtungen und Wahrnehmungen "abzugleichen" und nicht den eigenen Bildern aufzusitzen. Unsere Beobachtungen teilen wir der Gruppe mit, wenn es für den weiteren Verlauf des Prozesses förderlich scheint: zu spiegeln, wo die Gruppe steht, nicht aber zu beurteilen oder das Verhalten von Einzelnen zu kommentieren.
Manchmal mag der Eindruck entstehen, dass die Begleiter/innen zu passiv sind und zu wenig Anleitung geben. Doch im Laufe des Workshops lernt die Gruppe sich zurechtzufinden, sich zunehmend autonom zu beobachten und zu korrigieren. Und darum geht es: die Gruppe soll selbst zur Gemeinschaft finden und nicht dorthin "getragen" werden. Wie sollte das auch gehen...? Und was wäre, wenn wir nicht mehr da sind???
Da wir selbst den Prozess mit seinen Höhen und Tiefen vielfach kennen und eine Ahnung haben, was zur Gemeinschaftserfahrung führt bzw. was nicht, halten wir den Raum. Unsere Haltung hat also am ehesten eine Art Feldwirkung und ist somit unsichtbare Orientierung für die innere Ausrichtung der Gruppenmitglieder auf ihrem Weg durchs Labyrinth – hin zu dem Erleben von Gemeinschaft.
Unsere Aufgabe ist hier also viel mehr ein Sein als ein Tun.