Phasen des Community Building

Wir unterscheiden folgende Phasen im Community Building:

  • Die Phase der Pseudo-Gemeinschaft – „Wir sind doch alle gleich und haben die gleichen Ziele“ – hat Merkmale von Oberflächlichkeit, lässt Gemeinschaften eine Zeit lang mehr oder weniger gut funktionieren. Es zeigt sich nur die äußere Anpassungsschicht. Darunter lauern die Unterschiede, die unbearbeiteten Themen, die Ressentiments, die wir alle spüren, aber nicht offen legen. Wenn wir es wagen, die Unterschiede wahrzunehmen und auch zu äußern, geraten wir in
  • die „Chaos-Phase“, die in ihrer besten Form die Wiege der Kreativität sein kann: Unterschiede werden nicht mehr geleugnet, sondern ausgesprochen, aber noch nicht als Bereicherung gesehen und gewürdigt. Chaos ist geprägt von Erwartungen, Hin- und Herspringen von Thema zu Thema, Schuldzuweisungen. Der Blick geht nach außen, dort werden auch „Reparaturen“ vorgenommen (die oftmals zurück ins Pseudo führen), Lösungen gesucht (Regelungen, Pläne, Vereinbarungen usw.). Oft wird alles versucht, um das Chaos weg zu organisieren, was aber nur eine Verzögerung im Prozess bewirkt, denn der Weg in die wahrhaftige Gemeinschaft führt unweigerlich über die Entleerung
  • die Entleerung ist eine Brücke, die Brücke vom Chaos zur Gemeinschaft, sie führt oft in eine Phase der Einsamkeit. Hier muss ich mich wirklich zeigen mit all meinen Ängsten und Schatten, mit meiner ganzen Verletzlichkeit. Es erfordert viel Mut, meine Masken abzunehmen und den anderen zu zeigen, wer ich wirklich bin. Nach dem Durchleben der Einsamkeit kann sich der Raum weiten und öffnen für die
  • Phase der „wirklichen Gemeinschaft“. Wir spüren Verbundenheit in all unserer Unterschiedlichkeit (die wir in der Pseudo-Phase geleugnet und in der Chaos-Phase bekämpft haben): Celebrate the difference! Hier gibt es Platz für verschiedene Sichtweisen; jede/r hört und wird gehört. Hier bietet sich der Raum, um grundlegende Konflikte zu bearbeiten, Probleme zu lösen und wirklich tragfähige Entscheidungen zu treffen.

Was aber tatsächlich im Prozess geschieht, ist nur selbst zu erleben, immer wieder und immer anders. Nach dem Erleben wahrhaftiger Gemeinschaft ist der Prozess in Gang gesetzt, und das immer bewusstere Erleben seiner Dynamik erhöht die Kompetenz im Umgang auch mit den schwierigen Seiten dieser Phasen, so dass es erfahrenen Gruppen immer schneller gelingt in die vierte Phase zu gelangen. Dieser Prozess hört niemals auf.